Unser Segelrevier ist in Gefahr!

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Unser Segelrevier ist in Gefahr!
DiesundDas
04.01.2015 Im Dezember hatte das Bundesverwaltungsgericht in letzter Instanz die Flugrouten über den Müggelsee bestätigt.
Weder habe man bei der Festlegung der Route die Umweltverträglichkeit prüfen müssen, noch verstoße die Strecke gegen Naturschutzrecht, teilte das Gericht mit. Durch den Überflug in einer Höhe von mehr als 600 Metern könnten Beeinträchtigungen der Natur ausgeschlossen werden. Das Gericht machte bei seiner Entscheidung deutlich, dass Belange des Naturschutzes bei der Entscheidung nicht zu berücksichtigen waren.

Anfang Dezember legte dagegen die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt einen Plan "zur Sicherung und Erreichung gewässerbezogener Umweltziele…"vor. Danach soll der Müggelsee zu einem Biotop entwickelt werden, um bedrohte Arten (z.B. Rapfen und Steinbeißer) zu schützen.
Nach den vorliegenden Plänen würde die Umsetzung der Maßnahmen eine erhebliche Einschränkung des Segelsports in unserem Revier zur Folge haben.
Dagegen regt sich Widerspruch von Seiten der betroffenen Wassersportler unseres Reviers.
Der Berliner Kurier hat dankenswerter Weise diesen Protest unterstützt und am 02. und 03.Januar 2015 dazu einige Beiträge und die Senats-Pläne zur Sperrung weiter Teile des Müggelsees veröffentlicht.

Jörg Gloede, SGaM - im Berliner Kurier vom 02.01.2015:
Der Müggelsee ist Sportrevier für Surfer, Segler und Motorbootbesitzer, Badewanne der Berliner, Ziel vieler Angler. Damit könnte in wenigen Jahren Schluss sein. Pläne, weite Teile der Wasserfläche wegen des Umweltschutzes zu sperren, beunruhigen die Wassersportler.
Anfang Dezember 2014 hatte die Senatsumweltverwaltung zu einer Beteiligungswerkstatt aufgerufen, mit der ein ökologisches Entwicklungskonzept für den Müggelsee auf den Weg gebracht werden soll. Dort wurde eine Karte gezeigt, auf der möglicherweise zu sperrende Wasserflächen eingezeichnet worden waren.
"Ein Drittel des Sees dürfte weder von Seglern, Ruderern oder Surfern befahren werden. Der Nachwuchsausbildung der Seglergemeinschaft am Müggelsee wäre der Boden entzogen", meint Jörg Gloede, Segler und viele Jahre Leiter des Segelreviers Müggelsee. Die Karte zeige, das Sperrungen des gesamten westlichen und südlichen Ufers vorgesehen sind, etwa vom Spreetunnel bis zur Wasserrettungsstation bei "Müggelhort". Freien Zugang sollen nur die Gaststätten "Rübezahl" und "Hotel Müggelsee" erhalten. Mehrere "wilde" Badestellen würden wegfallen. Im westlichen Bereich würde die Sperrung bis zu 700 Meter vom Ufer entfernt verlaufen.
Zum Revier Müggelsee gehören sieben Segelvereine mit rund 900 Mitgliedern, dazu Kanu- und Rudervereine. Regatten für Segler und Surfer wären nur noch eingeschränkt möglich. "Es gibt pro Jahr rund 30 Segelwettbewerbe auf dem See, für die keine vernünftigen Kurse mehr abgesteckt werden könnten", ärgert sich Gloede.
Im Kleinen Müggelsee habe der Senat sogar die Sperrung der halben Wasserfläche im Auge.
"Wir haben bereits zu einem Gespräch beim Landessportbund eingeladen, werden die Interessen unserer Sportler offensiv vertreten", sagt Winfried Wolf, Vorsitzender des Berliner Segler-Verbands. Nun soll es bis zum Frühjahr eine weitere "Werkstatt" geben, bei der alle Betroffenen noch einmal gehört werden.

"Wie eine Flutwelle verbreitet sich die Information im Südosten der Stadt. Wie berichtet, dürften am gesamten westlichen und südlichen Ufer (vom Spreetunnel bis zur Wasserrettungsstation bei "Müggelhort") weder Segler, noch Ruderer, noch Surfer, noch Motorboote fahren. Rund ein Viertel der Wasserfläche würden wegfallen. Der KURIER besuchte die, für die die Planungen existenz-bedrohend sind".

Berliner Kurier vom 03.01.2015 lesen:
Peter Ebert ist Vorsitzender der Seglergemeinschaft am Müggelsee. Die SGaM würde in der Sperrzone liegen. Der 73-Jährige bezeichnet die Pläne der Senatsverwaltung zur Schaffung eines Biotops Müggelsee mit Verweis auf die BER-Flugrouten als scheinheilig, da die angeblich gefährdeten Rapfen und Steinbeißer auch ohne Schutz im See prächtig gedeihen.
Ebert: "Sobald der Flughafen eröffnet, donnern ohrenbetäubende Passagiermaschinen über den See, wobei tonnenweise Kerosinasche ins Wasser rieseln würde."
Der Sport im Club würde mit enormen Schwierigkeiten zu kämpfen haben. Die Anfänger, vor allem kleine Kinder, könnten nicht mehr in Ufernähe üben, sondern müssten aufs offene Wasser in der Seemitte ausweichen.
Mehr als zwei Millionen Euro hat Sören Schwaar in das Ferienhausdorf "Rübezahl" an der Südseite investiert. Die Anlage würde in einer Schutzzone liegen. "Uns besuchen Gäste aus der ganzen Welt, zum Beispiel aus den USA oder Singapur. Vor allem wegen der Wassersportmöglichkeiten direkt vor der Haustür", so der 56-Jährige. Er befürchtet, dass durch die Pläne Gäste für die Häuser sowie Tagesausflügler für das Restaurant ausbleiben. "Und wenn das passiert, können wir abschließen." 17 Mitarbeiter würden ihre Jobs verlieren.
Auch Steffen Boettcher lebt von der Badewanne Berlins. Der 43-Jährige ist Chef von "Meer-Seen", einer Bootsfahrschule. Hauptsächlich unterrichtet er Segelschüler. Mit denen kann er derzeit den gesamten See befahren, egal aus welcher Richtung der Wind weht. "Das ist ein Riesenvorteil gegenüber dem Wannsee. Das Plus würde wegfallen. Vor allem, weil derzeit Motorboote wie auf einer Transitroute in einer Fahrrinne gen Osten in Richtung Müggelspree geleitet werden." Die runde Form des Sees eignet sich vor allem für Surf- und Segel-Regattas. Der Kurs "Olympisches Dreieck", derzeit in Berlin nur in Köpenick fahrbar, wäre nach den Umweltschutz-Plänen des Senats nicht mehr möglich.

Der Berliner Tagesspiegel vom 04.01.2015 schreibt dazu:

Berliner Senat plant Tabuzonen für Wassersportler
Der Müggelsee ist Berlins größtes Gewässer und bei Wassersportlern ungemein beliebt. Jetzt überlegt die Senatsumweltbehörde, die südlichen und westlichen Uferzonen für sie zu sperren. Bei den Seglern, Kanuten und Paddlern stehen die Zeichen auf Sturm.

Harter Kurs gegen den Senat: Die Segler, Surfer, Paddler, Ruderer und Kanuten am Müggelsee wehren sich heftig gegen Pläne der Umweltverwaltung, weite Teile der Wasserfläche von Berlins größtem See für ihre Boote zu sperren. Im Rahmen eines „Entwicklungskonzeptes zur Sicherung und Erreichung gewässerbezogener Umweltziele“ sollen vor allem an den gesamten westlichen und südlichen Ufern Tabuzonen für Wassersportler entstehen, die bis zu 500 Meter in den See hineinreichen. Anlass der Initiative sind Richtlinien der Europäischen Union (EU) zur Verbesserung der Gewässergüte und zum Schutz von Flora und Fauna. „Auch wir sind für Naturschutz, aber das ist für uns undiskutabel“, kontert der Vorsitzende des Berliner Seglerverbandes, Winfried Wolf.

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P. Ebert




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